Vorwort

Vorliegende Untersuchung wurde im Sommer 1980 von der Theologi-schen Fakultät der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom als Disser-tation angenommen.

Zu aufrichtigem Dank für die gewährte Zeit zur Fertigstellung meiner Arbeit weiß ich mich meinem verehrten Diözesanbischof, msgr. Franjo Kuharić (Erzdiözese Zagreb) verpflichtet.

Großen Dank schulde ich meinem Moderator, Prof. Klaus Demmer, der mich bei meiner Untersuchung mit Engagement und Geduld beglei-tete. Für die mühevolle Arbeit des Korreferenten danke ich Prof. Antoni Mruk. Nicht unerwähnt darf ich Prof. Milan Kangrga von der Philoso-phischen Fakultät der Universität Zagreb lassen, der das Werden meiner Arbeit mit größtem Interesse verfolgte und mir wertvolle Anregungen und manche klärende Hinweise gab. In einer Stellungnahme, die diesem Vor¬wort folgt, hat er die Korrektheit der in dieser Arbeit gegebenen Darstel¬lung der ethischen Diskussion in der jugoslawischen marxistischen Philo¬sophie bestätigt.

Dankbar bin ich auch dem Pontificium Collegium Germanicum et Hun¬garicum in Rom: der Hausleitung und in besonderer Weise Prof. Robert Lachenschmid, der mir bei der Fertigstellung des Manuskripts für die Drucklegung behilflich war, sowie allen meinen Kollegen und Freunden, mit denen ich während meines römischen Studienaufenthalts zusammenle¬ben durfte.

Ein besonderer Dank gilt Prof. Anton Rauscher und Prof. Wilhelm We¬ber für die Aufnahme meiner Untersuchung in die "Abhandlungen zur Sozialethik" sowie Dr. Peter-Paul Müller-Schmid von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach, der mir bei der unmittelbaren Vorbereitung des Manuskripts für die Veröffentlichung sehr viel geholfen hat.

Schließlich möchte ich noch allen anderen, die mir in den vergangenen Jahren durch Rat und Tat geholfen, Mut gemacht und Vertrauen ge-schenkt haben, herzlich danken: vor allem meinen Angehörigen, dann Fr!. Gisela Borrmann (Seim), Fr!. Antonie Wehrstein (Gündringen), Herrn Hans Mlynarzyk (Dortmund-Aplerbeck) und meinem Heimatpfarrer Herrn Milan Tonžetić (Sveti Križ - Začretje).

Rom, 25. Juni 1980,

mr.sc. Stjepan Sirovec

Stellungnahme von Milan Kangrga

Die Aufgabe, die sich der Autor der vorliegenden Dissertation gestellt hat, besteht vor allem in der kritischen Darstellung der ethischen Proble-matik in der neueren jugoslawischen Philosophie, zumal in jener nach dem 2. Weltkrieg. Da aber einerseits erst in dieser Zeit ein wahres Erwa-chen und Vertiefen der Philosophie bemerkbar ist - die, nebenbei be-merkt, zum Teil schon einen wertvollen Beitrag für die Lösung einiger we¬sentlicher philosophisch-geschichtlicher Probleme der Gegenwart leistete _ und da die genannte philosophische Entwicklung andererseits unter dem bestimmenden Einfluß von Marxens Denken geschieht, setzte Sirovec mit Recht nicht nur den Akzent auf das marxistische Selbstverständnis des ethischen Problems als solchen, sondern schloß auch die philosophische Problematik des Marxismus überhaupt in seine Reflexion ein.

Deshalb hielt es der Autor - wissenschaftlich richtig und methodisch angemessen - für notwendig, zuerst einen kurzen Überblick über die hi-storische Entstehung und Entwicklung der Philosophie in den jugoslawi-schen Ländern (und zwar in Kroatien, Serbien und Slowenien) zu geben. Danach - und auf der Suche dessen, was er "spezifisch jugoslawische marxistische Philosophie" nennt - gibt er auch einen kurzen Überblick über die Entstehung der marxistischen Philosophie in Jugoslawien, die in den ersten Jahren nach der Revolution unter dem starken Einfluß des sta-linistisch konzipierten und systematisierten Diamat und Histomat stand. Dies ist übrigens jener Zeitraum, der gewöhnlich heute noch nur deshalb das Interesse hervorruft, weil er in den 50er Jahren geistig-gedanklich (und vor allem philosophisch und insoweit am radikalsten) abgebrochen wurde. Da der Autor der Meinung ist, daß die erwähnte Eigenart der ju-goslawischen marxistischen Philosophie am besten im Werk der sogenann¬ten "Praxis" -Gruppe enthalten und in ihm am deutlichsten zum Ausdruck gekommen ist, widmet er danach ein eigenes Kapitel der Entstehung der philosophischen Zeitschrift "Praxis" und ihrem zehnjährigen Wirken bis zu ihrem endgültigen Verbot.

Nach dieser umfangreichen Einführung (samt einer gut ausgewählten und zuverlässigen Bibliographie) kommt der Autor zu seinem zweiten Hauptteil mit dem Titel: “Jugoslawischer Marxismus und Ethik". Dies ist der entscheidende Teil der ganzen Arbeit. In ihm kommt die große Fähig¬keit des Autors zum Ausdruck, das kritisch zu beleuchten, zu formulieren, auszuwerten und zusammenzufassen, was sich (nicht nur für jugoslawi¬sche Marxisten) in zeitgenössischer Philosophie - allgemein formuliert ¬als das Wesentliche in Marxens und im marxistischen Verständnis des ethisch-moralischen Phänomens überhaupt, und zwar sowohl in seiner theoretischen als auch (für die Marxisten eigentlich vor allem) in seiner praktischen Dimension aufdrängt. Der Autor betreibt hier seine Analyse mit großem Ernst und guter Sachkenntnis, indem er meisterhaft die we-sentlichen Probleme und die Möglichkeiten eines kritischen Zugangs zu ihnen aufdeckt. Sirovec besitzt eine hervorragende Kenntnis des analysier¬ten Materials und hat vor allem richtig eingesehen, vor welchem grund¬sätzlichen philosophisch-praktischen Dilemma die marxistischen Philoso¬phen Jugoslawiens (zumal die "Ethiker" unter ihnen) stehen, die sich da¬bei auf "Geist und Buchstabe" der Marxschen Lehre im ganzen berufen. Und dieses Dilemma lautet: Ist eine marxistische Ethik überhaupt mög¬lich? Wenn nicht, warum ist sie nicht möglich? Wenn ja, welche und was für eine? Dem Autor ist es gelungen, sowohl beide gedanklichen ("ethi¬schen") Strömungen bzw. geistig-praktischen Richtungen als auch jene Autoren, die sich mit der ethischen Problematik im weiten und engen Sinne des Wortes befassen und doch nicht unmittelbar in die erwähnte philosophisch-ethische Erörterung eintreten, korrekt und mit einem aus¬gesprochenen Sinn für das Wesen des genannten Problem-Dilemmas dar¬zustellen. Seine Auslegung der Stellung und Beweisführung der einzelnen Autoren (z. B. Stojanović, Pavićević, Kangrga u. a.) ist in ihrer Ausfüh¬rung der Sache so angemessen, daß sie sich im Endergebnis als eine origi¬nelle Zusammenfassung bietet, die sich die betreffenden Autoren - wegen ihrer Klarheit - nur wünschen konnten.

Diese seine kritische Interpretation führt der Autor konsequent auf der Linie der Erörterung der Grundkategorien, Grundbegriffe und Grundpro-bleme (wie z. B. Praxis, Mensch, Freiheit, Geschichte, Entfremdung und Verdinglichung) durch, um die gegenwärtig die Diskussion nicht nur in-nerhalb der jugoslawischen marxistischen Philosophie, sondern auf den philosophischen Symposien überhaupt geführt wird.

Man kann - ohne jede Übertreibung - sagen, daß Stjepan Sirovec bis jetzt der einzige Autor ist, der eine so vollständige, abgerundete und so gut fundierte Abhandlung über das Thema: Die ethische Problematik bei den jugoslawischen Marxisten (aber auch mehr als dies) geschrieben hat, und zwar sowohl im Hinblick auf ihren Umfang als auch hinsichtlich der gründlichen Kenntnis der Materie. Auf jeder Seite ist - besonders für den Kenner und Eingeweihten - einerseits die große Arbeit sichtbar, die hinter diesem Werk steht, andererseits aber auch das philosophische Gespür für das behandelte Problem selbst. Jugoslawische Marxisten und unter ihnen 'besonders jene, die sich mit der ethischen Problematik befassen, sollten deshalb dem Autor volle Anerkennung für seine Leistung zollen; dies um so mehr, da kein jugoslawischer Philosoph oder Ethiker (marxistischer oder nicht-marxistischer Orientierung) bisher eine ähnliche Untersuchung unternommen hat, nicht einmal in der eigenen Sprache, geschweige denn in einer der großen Fremdsprachen.

Da ich mich selber schon drei volle Jahrzehnte in gewisser Hinsicht im Zentrum sowohl dieser philosophischen Erörterungen und Diskussionen als auch - und in Verbindung damit - mittelbar oder unmittelbar in be-stimmten gesellschaftlich-politischen Strömungen der nachrevolutionären Periode befinde, wovon zum Teil auch die vorliegende Arbeit berichtet, kann ich auch von dieser Seite her betonen, daß S. Sirovec mit seiner Dis¬sertation einen wertvollen Beitrag zum besseren Verständnis der genann¬ten Problematik geleistet hat. In Anbetracht der Veröffentlichung der be¬sprochenen Abhandlung für den deutschsprachigen Raum möchte ich her¬vorheben, daß der ausländische Leser dadurch einen ausgezeichneten Einblick und eine zuverlässige Einführung in alle wesentlichen nachrevo¬lutionären philosophischen Geschehnisse - speziell auf dem ethisch-mora¬lischen Gebiet - in Jugoslawien erhält. Er bekommt somit nämlich den er¬sten umfangreichen, bibliographisch vollständigen und philosophisch grundlegenden Überblick über das gegenwärtige philosophische Leben in Jugoslawien.

Zum Schluß möchte ich meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, und dies hervorzuheben betrachte ich als meine Pflicht, daß ich, nach eini¬gen Beratungen mit dem Autor während seiner Arbeit an der vorliegenden Dissertation, die Möglichkeit hatte, als einer der ersten dieses überaus korrekt und wissenschaftlich geschriebene, wertvolle, umfassend infor¬mierende und in vielem sehr instruktive Buch zu lesen.

Zagreb, im Oktober 1979

Prof. Dr. MilanKangrga
Philosophische Fakultät
der Universität Zagreb

 

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